Kerner und Tagesthemen so: „Yeaahh, wir erklären Twitter und Blitzaufläufe“

Etwas seichte Unterhaltung im ZDF. Ein Mathematiker redet begeistert über Stochastik und Lotto und ein paar Journalisten reden seicht über noch seichteren Wahlkampf. Plötzlich steht ein Notebook auf Kerners Schreibtisch und er beginnt Twitter zu erklären. Langsam krallen sich meine Hände in die Bettkante und schon gehts los…

Mittlerweile ist meine Schmerzgrenze in der Berichterstattung über neue Medien wirklich hoch, aber nach diesem Intermezzo wusste ich nicht, ob JBK mir leid tun oder leid tun sollte. Leid tun, weil er sich offensichtlich noch nie mit dem Medium beschäftigt hat (oder zumindest so tat) und darüber redete (oder reden musste). Leid tun, weil er demonstrieren wollte (oder sollte) wie unmöglich doch „dieses Twitter“ ist. Etwa ein Nachtreten auf die zu früh getwitterten Wahlergebnisse? Eine Legitimierung der eigenen journalistischen Leistung zur Wahl? Knapp daneben. Ganz knapp! Nein, er hat gerade unerträglichen Journalismus bewiesen.

Man muss Twitter nicht nutzen, man muss es nicht mal gut finden. Twitter ist nur ein Medium. So wie Usenet und IRC, aber die sind gerade nicht (mehr) populär. Sie könnten aber genauso die „Pest“ verbreiten. „Braucht kein Mensch“.

Liebe Redaktion, stellt das nächste Mal ein Telefon auf den Tisch, lasst JBK irgendeine Hotline wählen (helft ihm ggf. dabei) und lasst ihn feststellen, dass kein Mensch Telefon braucht. Und dieses Fernsehen.

Und dann die ARD, Zitat: „du lieber Himmel“. In den Tagesthemen wird über den „Yeaahh“ Flashmob (allerdings in Wuppertal) berichtet. Vor allem wird deutlich: Es ist dieses Unverständnis der etablierten Medien, dass „da etwas“ passiert ist. Etwas, was nur durch das Netz möglich wurde. Und etwas, das für uns Netzbewohner längst „durch“ ist, bevor auch nur jemand die Chance hat, darüber zu berichten. Etwas, das scheinbar ohne Planung und Führung passiert, ohne langen Anlauf, ohne Ansprechpartner und Presseerklärung.

Und Robert Bautz im Interview so: „Das ist sehr diffus […] und ich glaube nicht, dass man dadurch viele Leute überzeugt.“ Überzeugen? Wen? Wovon? So zeigt auch er Unverständnis. Wie kann man über spontane Yeaahh-Rufer berichten, aber nicht über die Atomkraftgegner, die das von langer Hand geplant haben? Voll gemein!

Dann muss eben die Piratenpartei herhalten, die sich in diesem Fall aber nur schnell ins „Yeaahh“-Fahrwasser geworfen hat und mit der Initiierung der Aktion nichts zu tun hatte.


(via Spreeblick)

Bleibt zu sagen: „Sie haben sich bemüht.“

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Modul Spotlight – Activity Stream

Drupal selbst bietet mit dem Modul Aggregator die Möglichkeit, externe RSS-Feeds in eine Seite einzubinden. Mächtigere Module, wie SimpleFeed oder FeedAPI können da schon eine Menge mehr. Sie sind super geeignet, um mit Hilfe von CCK, Views und Token aus RSS-Feeds strukturierte Inhalte zu extrahieren und in Nodes zu schreiben – ganz im Sinne von Drupal.

Das Modul „Activity Stream“ bringt eine ähnliche Funktionalität mit. Anders als die oben genannten Module hat es aber nicht einen zentralen Ansatz, sondern erlaubt es jedem angemeldeten Benutzer, eigene „Streams“ in der Profilverwaltung anzugeben. Beispielsweise ein Podcast-Channel, oder ein eigenes Blog. Wer Friendfeed, Lifestream oder ähnliche Dienste kennt, dem wird das bekannt vorkommen. Per Cron werden die externen Feeds in die Drupal-Site geladen, einzelne Beiträge als Nodes angelegt und auf dem eigenen Profil in Teaserform angezeigt. Spezielle Dienste, wie Twitter, Digg, Del.icio.us, Last.fm und Flickr werden vom Modul bereits gesondert behandelt und mit eigenem Icon versehen. Bei Blogs wird das Favicon angezeigt – schick.

Für die Anzeige der Activity Streams eines Users im Profil, genügt dieser Codeschnipsel, der wahlweise in einen Block, ins Template oder in ein Panel kommt:

<?php
if (arg(0) == 'user' && is_numeric(arg(1))) {
  $uid = arg(1);
  $items = _activitystream_get_activity(user_load(array('uid'=>$uid)));
  print theme('activitystream', $items);
}
?>

Doch damit fangen die Möglichkeiten erst an: Wenn diese Streams erst einmal in Node-Form vorliegen, sind folgende Views nur noch Formsache:

  • Zeige alle Blogbeiträge von Usern
  • Zeige alle Flickr-Bilder von Usern einer bestimmten Gruppe
  • Zeige die Tweets von Usern, die an einem bestimmten Event teilnehmen

Fazit: Eine echte Bereicherung für Community-Seiten und großes Potenzial für die Zukunft.

Twitter Typen

Der A-Twitterer

A-Twitterer stellen die Speerspitze der Twitterkultur dar. Als Opinion-Leader übertragen sie spielend ihre Gedanken in das gemeine Twittervolk und damit auch alle Links, die sie verbreiten. Dabei benutzen sie nicht mehr Zeichen, als unbedingt nötig. Ihr Wort hat Gewicht und ihre Reputation ist in Sternen nicht zu messen. Die namentliche Erwähnung durch einen A-Twitterer führt zu einer zweistelligen Anzahl neuer Follower, ein Retweet bedeutet quasi den Twitterschlag.

Der PR-Twitterer

Er hat ständig etwas zu tun. Entweder schreibt er in einem seiner zahlreichen Blogs, bereitet Termine vor oder schreibt Rechnungen. Oft reist er, grenzt sich jedoch durch den „ICE-Twitterer“ (s.u.) ab. Er schafft es, die Leichtigkeit der neuen Medien 2.0 in schwergewichtigen Unternehmen zu etablieren. Jedenfalls glauben wir das.

Der Corporate-Twitterer

Es kann sein, dass der Corporate-Twitterer schon vor seinem aktuellen Job twitterte. In diesem Fall versucht er den Spagat zwischen eigener Meinung und der seines Arbeitgebers. Dazu wechselt er mehrfach Namen, Twitteraccount und Avatar-Bildchen, ist aber mit dem Resultat seiner Arbeit selten zufrieden. Irgendwann wissen auch Follower nicht mehr, wer sich hinter welchem Account verbirgt. Andere Corporate-Twitterer kommen erst durch ihren Job zum Twittern, um so an topaktuellen Kommunikationsmedien zu partizipieren (sagt der Chef). Bei tollen Neuigkeiten spammen sie die Twitterwelt voll, wenn es mal schlecht läuft, hört man nichts von ihnen. Der Corporate-Twitterer hat es dabei aber auch nicht leicht, gehören wir Deutschen doch zu Nörglern erster Güte und argwöhnen bei dem kleinsten Verdacht kommerzieller Ausbeutung.

Der ICE-Twitterer

Eine besondere Spezies, bei der mehrere Umstände zusammenkommen. 1) Der ICE-Twitterer hat Zeit. Viel Zeit. 2) Es umgibt ihn keine soziale Peergroup, außer der virtuellen Followergemeinde auf dem Handy. 3) Er hat wenig anderes zu tun.

Ein Handy genügt, um in 140 Zeichen mitzuteilen, wo man sich befindet, wieviel Verspätung der Zug gerade hat, was der Nachbar liest und wieviele Balken der UMTS Empfang noch anzeigt. Auch der Akku-Stand des Macbooks bleibt nicht unerwähnt und lässt den Leser böses erahnen: Wenn das alle ist, hat der ICE-Twitterer nur noch das Handy!

Artverwandt, aber ohne eigene Nennung seien hier der „S-Bahn-Twitterer“ und der „Flugzeug-Twitterer“ erwähnt, für die Ähnliches gilt. Der Grad, in dem Tweets uninteressant werden, verhält sich im Quadrat proportional zur Länge der Reise und der eigenen Entfernung zum ICE-Twitterer.

Der Twitter-Säufer

Im Grunde traut sich der Twitter-Säufer nicht vor 16 Uhr in die Timeline. Dann aber tauchen sogleich mutig Tags wie #bex oder #twittersaufen in den Tweets auf. Da Follower von Twitter-Säufern ein Nachsehen haben, prosten sie ihnen virtuell zu.

Der Twitter-Esser

Ein typischer Tweet sieht so aus: „@having hähnchenbrust mit weißweinsauce“. Eine Verwandtschaft zum Twitter-Säufer ist klar zu erkennen, doch geht es ihm um den kulinarischen Genuss. Es gibt nur wenig Mahlzeiten, von denen die Follower nicht erfahren. Andere Lebensumstände hingegen sind hinlänglich unbekannt.

Der Ritual-Twitterer

Morgens werden gern alle Follower mit eigenem „@“ begrüßt, abends gibt es ausführliche Abschiedszeremonien. Auch andere Tätigkeiten, die einen ausgeprägten Sinn für Routine erahnen lassen, werden wiederkehrend mitgeteilt. Die Famile, der Weg zur Arbeit, alles Rituale die konstant getwittert werden und bei deren Ausbleiben über Krankheit und schlimmeres des Twitterers spekuliert wird.

Der Twitpic-Twitterer

Motto: Ein Bild sagt mehr als 140 Zeichen. Eine verrauschte Handykamera genügt, um mitzumachen. Statt großer (und kleiner) Worte, gibt es Bilder aus der realen Welt. Hierbei bedient sich vor allem der oben erwähnte Twitter-Esser seiner digitalen Möglichkeiten. Aber auch andere Kuriositäten finden ihren Weg in die digitale Ewigkeit. Wie man jemals Twitpic Bilder löschen kann, ist dem Twitpic-Twitterer genauso unklar wie die Frage, warum jeder Tweet vom Handy mit „=?ISO-8859-1?Q?=“ beginnt.

Der No-Twitterer

Der Account ist eingerichtet, aber der No-Twitterer verweigert konsequent die Benutzung. Mehrere Erwähnungen durch A-Twitterer (s.o.) führten zu einer mittleren zweistelligen Followergemeinde, die das Followen selbst als minimalistischste Form des Twitterns zelebriert. Irgendwann wird er sich schon mal melden, denken sie.

Der Pointen-Twitterer

Humorvoll knackig weiß der Pointen-Twitterer sein Umfeld zu kommentieren. So spart er sich die wertvollen Zeichen für die richtigen Lacher – die dann aber auch sitzen. Die Qualität führt zu wiederkehrender Erwähnung durch Andere und weiteren Followern, die den Druck natürlich gehörig ansteigen lassen. Banales traut sich der Pointen-Twitterer kaum noch zu schreiben. Es könnten die Fans womöglich einen ganz normalen Menschen erkennen.

Disclaimer: Erst am Ende dieses Beitrags kam ich auf die Idee, dass jemand anderes schon auf die Idee gekommen sein könnte, über Twittertypen zu schreiben. Gewisse Überschneidungen sind durchaus zu erkennen. 😉