Warum Softwareprojekte scheitern

Auf dem Barcamp 3 in Berlin hat Bernhard Welzel eine Session mit dem Titel „5 reasons why all web software projects fail“ gehalten. Dabei ging es um die Unfähigkeit des Kunden, Ziele zu definieren und die Unfähigkeit von Entwicklern, über den Projektstand zu informieren, insbesondere bei Zeitverzug.

Kunden und Entwickler saßen gleichermaßen im Publikum und nickten einvernehmlich wie Pärchen, denen Mario Barth gerade erzählt, wie die Welt funktioniert.

Reason 1

Obwohl ich im letzten Jahr mindestens ein Projekt erfolgreich begleitet habe, waren die Symptome die gleichen. Und es ist erstaunlich, dass Dienstleister sehenden Auges immer wieder in die gleiche Situation steuern, auch mit neuen Kunden. Handlungsweisen für einen anderen Weg scheint es kaum zu geben.

„You can have it good, cheap or fast. Which two of them do you want?“ Dieser Spruch bringt das magische Dreieck des klassischen Projektmanagements auf den Punkt. (Danke Boris)

Reason 2

Am wichtigsten überhaupt ist die Kommunikation, da waren sich die Teilnehmer schnell einig. Nur so kann ein Kunde verstehen, warum es eine Verzögerung gibt und der Dienstleister weiß dann auch, warum diese oder jene Änderung so wichtig ist. Ich sage: es ist Erwartungs-Management.

Reason 3

Egal, wie ausführlich man Pflichtenhefte gestaltet: Kein Kunde ist in der Lage, alle Punkte vor Entwicklungsbeginn exakt zu definieren. Und ich habe auch noch kein Projekt erlebt, in dem es bei aller Ausführlichkeit nicht doch Änderungen während der Umsetzung gab. Change-Management muss normal werden. Das geht vor allem an die Entwickler. Das Stöhnen bei Änderungen muss einer klaren Kommunikation weichen, die die Konsequenzen dieser Änderung beschreibt.

Reason 4

Reason 4

Sehr erfrischend war denn auch die am darauffolgenden Tag gehaltene Folge-Session „Getting projects done“. So berichtete ein Teilnehmer davon, dass er als Kunde an einem Workshop teilnahm, in dem er erfuhr, wie ihr Dienstleister arbeitet und „tickt“ und warum manche Dinge so sind, wie sie sind.

Methoden der agilen Software-Entwicklung wurden angesprochen. Doch weder führen sie zwingend zum Ziel, noch sind die Strukturen auf Kundenseite dafür geschaffen, sich auf ein vierseitiges Pflichtenheft für einen sechsstelligen Betrag einzulassen.

Reason 5

Reason 5

Vielleicht fehlt es auch allen ein wenig an Vertrauen, dass das Gegenüber es nicht böse meint. Denn sobald man an der gemeinsamen Sache zweifelt, passiert das, was Bernhard auf den Punkt bringt: „Es geht nicht darum, Qualität zu liefern, sondern einen Vertrag zu erfüllen.“ Dieses Phänomen (‚ich will das einfach nur noch abliefern‘) kommt einer inneren Kündigung gleich.

Für Softwareentwicklung wird viel Geld ausgegeben und wenn sie scheitern, ist es meist zu spät, das Geld verbrannt. Ein Scheitern eines Projektes von Anfang an in den Rahmen der Möglichkeiten einzubeziehen, halte ich für dringend erforderlich (von beiden Seiten). Es ist nur ehrlich, einigermaßen wahrscheinlich und oft erlebt. Nur gilt es einfach nicht als clever, darüber offen zu reden, wenn man doch gerade einen Kunden von seinen Fähigkeiten überzeugen will.

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Mein erstes Mal – Barcamp

Mit recht großen Erwartungen war ich heute beim Barcamp Berlin. Vor allem deshalb, weil ich gespannt war, wie so eine Art von Unconference in der Praxis aussieht. Mein erster visueller Eindruck war ein Meer aus Macbooks. Kaffee trinkend twittern Geeks vor Beginn der Veranstaltung. 🙂

Nach kurzer Erholung dem Aufwachen (Kaffee!) kam schnell Bewegung in den Zeitplan und die Slots wurden gefüllt. Nach einer kleinen Vorstellungsrunde der Vortragenden ging es los. Motto: Eine Stunde – ein Raum – ein Thema. Nach der ersten Stunde wusste ich, wozu Kosmar bei jedem mir bekannten Dienst einen Account hat. Für mich die beste Session an diesem Tag. An Beispielen erklärt er locker und plastisch, was man besser tun und lassen wollte, wenn man ein Social Network starten und groß machen will.

Weitere Themen waren für mich: Geodata, Virtual Identities (OpenID), Noserub und The Next Web.

Das Barcamp ist ein Umfeld mit viel Potenzial, wenngleich ich es etwas befremdlich finde, wie Blogger darüber bloggen, dass andere podcasten. Nunja, ein guter Anlass, mal darüber zu bloggen. 😉

Am Samstag Abend gab es übrigens laut Schedule eine Drupal-Session, an der ich leider nicht teilnehmen konnte.

Organisatorisch fand ich es echt perfekt. WLAN lief, genug Räume, eingehaltener Zeitplan, lecker Essen und Trinken – vielen Dank dafür! Eine sehr entspannte Stimmung, wenn man die Menge der Anmeldungen betrachtet.