Die Sache mit der Streetview Kritik Kritik

Eins vorweg: ich mag Google, Google Mail und nutze gern Streetview.

Was mich dieser Tage verwundert ist der einheitliche Reflex einer breiten Masse der Netzbewohner, gegen die Kritik von Politik und Massenmedien an Streetview.

Ein gelungener Artikel von Anatol Stefanowitsch scheint dieser Tage das Common Sense der aufgeklärten Netzbewohner wiederzugeben. Er stellt recht einfach die schwache Argumentation der Politik zur Schau. Drei Dinge möchte ich aber so nicht stehen lassen.

Anhand der Gutartigkeit bisheriger Dienste von Google wird eine grundsätzliche Gutartigkeit von Streetview abgeleitet. Sowas geschieht auch bei Herstellern von Hard- und Software. „Die waren immer gut und nützlich, dann passt das jetzt auch“. Ein ähnliches Denken bei Politikern würde zu Recht von Bloggern auseinandergenommen werden.

Den zweiten Punkt möchte ich als Kontrollverlust (sorry mspr0) beschreiben. Rentner die sich gegen Google Streetview aussprechen, werden vor ihrem Haus fotografiert und ganz Twitter kichert. Hierin sehe ich einen Irrtum. Es geht nicht darum, dass man fotografiert wird, sondern von wem und in welchem Kontext. Man möchte gern darum wissen, also informiert werden, was mit dem Bild geschieht. Das ist im Fall des Interviews durch die Rheinische Post sicher geschehen. Die Fotografie einer Hausfassade ist etwas anderes als ein Porträtfoto. Aber genau deshalb kann man es in diesem Fall auch nicht miteinander vergleichen. Ich könnte mir gut vorstellen, in einem Interview, dass sich kritisch mit der automatischen Verkehrsraumüberwachung beschäftigt, mit meinem Auto samt Kennzeichen abgelichtet zu werden.

Und natürlich gibt es drittens andere Dienste, die Daten von uns und unserer Umgebung erfassen. Im Fall der Rentner sind es ein Eintrag im Telefonbuch und Videos eines Immobilienmaklers vom Straßenzug der Bewohner. Die Qualität dieser von uns allen gesammelten Daten entsteht nicht durch das Sammeln allein, sondern das Wissen darum, dass es diese Daten gibt. Vor allem aber: durch deren Verknüpfung. So hat ein Foto in der Rheinischen Post, ein Video auf einer Maklerseite oder einer privaten Webseite eben nicht die gleiche Qualität wie ein Bild bei Streetview. Im Umkehrschluss würde man – suchte man die maximale Aufmerksamkeit – Fotos eher bei Flickr hochladen und nicht auf die selbstgebaute Webseite. Hatte nicht jeder schon mal kurz ein flaues Gefühl im Magen, wenn er sich selbst googelte und dann über „seine“ Seite bei Yasni oder 123people gestolpert ist? Alles liegt im Netz, ja. Doch das fremdbestimmte Aggregieren bringt eine neue Qualität. Das meine ich mit Kontext.

Und auch hier ist mir die Argumentation zu dünn. Nur weil woanders schon Daten über uns und unsere Umwelt gesammelt werden, ist das bisschen mehr an Daten auch ok? Erinnert euch an den Protest von Stasi 2.0. So eine Argumentation seitens der Politik hätte man dort nicht durchgehen lassen.

Ich bin für die Einführung von Google Streetview in Deutschland, doch wir tun gut daran, ganz bewusst mit Daten und unserer Privatsphäre umzugehen. Waren die von uns erfassten Daten bisher vielleicht umfangreich, semantisch können sie derzeit nur eingeschränkt ausgewertet werden. Das wird sich ändern und wir müssen unser Verständnis von Datensparsamkeit und Notwendigkeit zur Preisgabe von Daten immer wieder justieren.

Ich bin dafür, dass man sein Haus aus Google Streetview entfernen lassen kann. Und ich finde, wir sollten unsere Eltern vor allem darüber aufklären, was es mit diesem Streetview eigentlich auf sich hat.

Schneescripte sind Klimakiller

„Ich weiß nicht, warum ich euch so hasse, Schneescripte dieser Welt.“ – Doch ich weiß es.

Jedes Jahr vor Weihnachten bauen unzählige Webseiten Schneescripte in ihre Seiten ein. So rieselt es dann vor sich hin, während man verweilt und liest. Oder lesen will. Schneescripte nerven! Die meisten sehen noch nicht mal schick aus. Grobschlächtige Gifs zuckeln über den Bildschirm bleiben auf halbem Wege liegen.

Ich denke mir dann so: irgendwas tickt da bei den Leuten aus. Ein Reflex nur, ein Relikt aus den frühen Anfängen von Javascript. Zack, rein damit. Ist ja nur eine Zeile im Template. Nett, läuft. Und was mit Javascript geht, funktioniert im Flashbanner sowieso. „Hamwa gleich ’n Aikätscha“. Ich kann euch förmlich denken hören, ihr Internetdesignagenturen dieser Welt. Das ist ungefähr so nützlich wie eine bunt blinkende Lichterkette, die man an der Außenseite eines Balkons befestigt. Natürlich so, dass man sie selbst nicht sehen kann muss.

Schneescripte sind die Pest!

Das schlimmste ist aber, dass diese Scripte technisch so grottenschlecht sind, dass sie jeden Rechner an ihre Leistungsgrenze bringen. Nach wenigen Sekunden Verweildauer dreht der Lüfter hoch und die CPU ist am Anschlag. Konsequenter Weise funktioniert sonst nicht mehr viel auf dem Notebook – aber es schneit.

Es gibt Studien darüber, wieviel Strom eine Google Suchanfrage benötigen soll. Lächerlich – wir schmelzen die Polkappen mit Schneescripten ab. Wenns draußen schon nicht mehr schneit, dann wenigstens im Browser. Dank Schneescripten. Von 1997. Drecksdinger!!!!!111elf

Kerner und Tagesthemen so: „Yeaahh, wir erklären Twitter und Blitzaufläufe“

Etwas seichte Unterhaltung im ZDF. Ein Mathematiker redet begeistert über Stochastik und Lotto und ein paar Journalisten reden seicht über noch seichteren Wahlkampf. Plötzlich steht ein Notebook auf Kerners Schreibtisch und er beginnt Twitter zu erklären. Langsam krallen sich meine Hände in die Bettkante und schon gehts los…

Mittlerweile ist meine Schmerzgrenze in der Berichterstattung über neue Medien wirklich hoch, aber nach diesem Intermezzo wusste ich nicht, ob JBK mir leid tun oder leid tun sollte. Leid tun, weil er sich offensichtlich noch nie mit dem Medium beschäftigt hat (oder zumindest so tat) und darüber redete (oder reden musste). Leid tun, weil er demonstrieren wollte (oder sollte) wie unmöglich doch „dieses Twitter“ ist. Etwa ein Nachtreten auf die zu früh getwitterten Wahlergebnisse? Eine Legitimierung der eigenen journalistischen Leistung zur Wahl? Knapp daneben. Ganz knapp! Nein, er hat gerade unerträglichen Journalismus bewiesen.

Man muss Twitter nicht nutzen, man muss es nicht mal gut finden. Twitter ist nur ein Medium. So wie Usenet und IRC, aber die sind gerade nicht (mehr) populär. Sie könnten aber genauso die „Pest“ verbreiten. „Braucht kein Mensch“.

Liebe Redaktion, stellt das nächste Mal ein Telefon auf den Tisch, lasst JBK irgendeine Hotline wählen (helft ihm ggf. dabei) und lasst ihn feststellen, dass kein Mensch Telefon braucht. Und dieses Fernsehen.

Und dann die ARD, Zitat: „du lieber Himmel“. In den Tagesthemen wird über den „Yeaahh“ Flashmob (allerdings in Wuppertal) berichtet. Vor allem wird deutlich: Es ist dieses Unverständnis der etablierten Medien, dass „da etwas“ passiert ist. Etwas, was nur durch das Netz möglich wurde. Und etwas, das für uns Netzbewohner längst „durch“ ist, bevor auch nur jemand die Chance hat, darüber zu berichten. Etwas, das scheinbar ohne Planung und Führung passiert, ohne langen Anlauf, ohne Ansprechpartner und Presseerklärung.

Und Robert Bautz im Interview so: „Das ist sehr diffus […] und ich glaube nicht, dass man dadurch viele Leute überzeugt.“ Überzeugen? Wen? Wovon? So zeigt auch er Unverständnis. Wie kann man über spontane Yeaahh-Rufer berichten, aber nicht über die Atomkraftgegner, die das von langer Hand geplant haben? Voll gemein!

Dann muss eben die Piratenpartei herhalten, die sich in diesem Fall aber nur schnell ins „Yeaahh“-Fahrwasser geworfen hat und mit der Initiierung der Aktion nichts zu tun hatte.


(via Spreeblick)

Bleibt zu sagen: „Sie haben sich bemüht.“

Piratenpartei – Die Geister, die ich rief

Klarmachen zum Ändern!

Dieser Tage werden Diskussionen im Internet oft mit diesem Satz beendet. Was anfangs noch charmant und mit einem Augenzwinkern verbunden war, ist zu einer Plattitüde geworden. Ich werde den Eindruck nicht los, dass es Heerscharen von Forenbewohnern gibt, die eigenes politisches Engagement fehlinterpretieren.

Diskussionen, die nur am Rande etwas mit Regierung und Internet zu tun haben, werden „geentert“, und auf ähnlich dogmatische Weise geflutet, wie man sie der derzeitigen Regierung im Hinblick aufs Internet gerne unterstellt.  Da darf man als Außenstehender schon mal an der Ernsthaftigkeit des Engagements zweifeln.

Das Gegenteil von Gut ist Gut gemeint (Kettcar)

Ich sympathisiere durchaus mit der Piratenpartei. Die Ambitionen dieser Partei der eigenen Mutter zu erklären, oder auch nur einer Freundin, ist weitaus mehr Arbeit, als einen gut gemeinten Kommentar im Internet abzugeben.

Neues Büro in Berlin

Seit kurzem habe ich ein neues Büro in Berlin. Die Bürogemeinschaft der [ *] Keksbox hatte nach ihrem Umzug von Karlshorst nach Friedrichshain noch einen Raum frei, in den ich nun zusammen mit Marco Rademacher einziehen und arbeiten werde. Erster Akt war das Verlegen von neuem Laminat für angenehme Arbeitsatmosphäre. Vielen Dank an Dirk für die Hilfe! Nun gibt es neben einem schicken Fußboden natürlich auch schon Strom, Internet und draußen ein kulinarisches Umfeld (also alles wichtige für den Arbeitsmodus). Der Rest folgt nach und nach und der Frühling im Kiez kann kommen. Ich freue mich auf Besuch in der Simon-Dach-Straße 21.

Leitergolf

Gerade bei „Schlag den Raab“ gesehen – Leitergolf. Sieht ja witzig aus. Klar, da googelt man mal kurz. Und findet, einen Blogeintrag, der gerade mal 28 Minuten alt ist – und 30 Kommentare hat. Krass!

Und sonst?

Kein Artikel bei Amazon, nichtmal Wikipedia weiß was dazu, jedenfalls nicht unter dieser Bezeichnung (dort steht es unter „Bola„). Wenn das mal keine Marktlücke ist. Oder besser eine Wortlücke?  Die Hommingberger Gepardenforelle der Sportindustrie. Ein SEO-Segen. Viel Spaß, jetzt kommt IHR!

Update: Hier das Video auf der Webseite von „Schlag den Raab“.

Update 2: Hier die Videos bei Youtube.

Update 3: Die Videos sind bei Youtube nicht mehr verfügbar.