re:publica 08

Vom 2.-4. April fand in Berlin die re:publica 08 statt. Früher Kauf der Eintrittskarte (voller Preis, versteht sich) sicherte gleichzeitig einen Platz in meinem Kalender.

Was erwartete ich von der re:publica? Digitale Lebensart, Blogger. Trends. Vordenker. Macher. Geeks. Berlin.

Organisation

Hut ab für die Organisation. Es gab Platz für alle, WLAN, was zu Essen. Man hat die Redner gut verstanden, es wurde fast alles live gestreamt und man hatte Platz, sich drumherum auszubreiten. So etwas für 800 Leute auf die Beine zu stellen, ist schon eine riesen Sache.

Dass die Getränkepreise eher Hamburg waren, man sich gerne ausgefeilte Kaffeevariationen und darüber hinaus Essen VOR 12 Uhr gewünscht hätte, dass ein Plasmadisplay mit dem aktuellen Programm im Foyer fehlte – miese Details, die im nächsten Jahr sicher besser klappen.

Notebooks

Ich habe vorher überlegt, mein Notebook mitzunehmen und entschied mich dafür. Wie es in den Sessions aussah, hat mich aber dann doch noch überrascht. Macbook an Macbook. Die Wichtigkeit, mit der während aller Vorträge gearbeitet wurde, ließ mich zunächst darauf schließen, dass alle Startups oder mindestens wichtige Projekte zu leiten hätten. 90% aller Bildschirme, die ich dann betrachtete (oder betrachten musste), zeigten dann aber das ganz normale, oft zitierte „digitale Rauschen“. Kaum vorstellbar, dass es nicht auch ohne gegangen wäre. Beim nächsten Mal versuche ich vielleicht mal, komplett aufs Notebook zu verzichten. 😉

Sessions

Alle Sessions zu beschreiben, wäre etwas mühsam (zu lesen), also beschränke ich mich mal aufs wesentliche:

Tag 1
Sehr gut hat mir die Keynote von Viktor Mayer-Schönberger gefallen. Erinnern – Vergessen.

Ansonsten war der erste Tag für mich ohne größere Highlights. Die Qualitätsdebatte Blogs vs. Journalismus plätscherte so dahin, die folgende Twitter Session war erwartungsgemäß überfüllt und die Websidestory war dann auch schon meine letzte Session, eine sehr unterhaltsame. Musical for geeks.

Tag 2
Der zweite Tag startete im Grunde mit einem Knaller. „Geld verdienen mit Blogs“. Nach anfänglichem Gekuschel ging es irgendwann doch zur Sache, wobei sich dabei der Wortbeitrag von Peter Hogenkamp aus der ansonsten eher unkritischen Masse heraushob.

Ich finde grundsätzlich die auf der Republica geführte Diskussion etwas zu kurz gegriffen. „Geld verdienen mit Blogs“. Da sitzen also 300 Leute und wollen endlich das Rezept hören, mit dem sie ihre Texte zu Geld machen können? Jedenfalls war das mein Eindruck.
„Verdienen“ hat doch nicht nur direkt etwas mit der Währung Geld zu tun. Spannend wäre doch zu hören, wie man die Nutzer grundsätzlich an der Kreation ihrer Inhalte beteiligt. Welche Möglichkeiten bietet Micro-Payment, was ist mit der Währung Reputation? Gerade letztere spielt eine dermaßen wichtige Rolle, dass ich frage, warum das Thema nicht anders behandelt wurde. Außerdem interessant (und realistisch) sind Einnahmen, die im Umfeld eines Blogs generiert werden, aber nicht durch Werbung auf den Blogs selbst.

Das Thema „Neue Arbeit“ war sehr schwer, in einer kurzen Session zu behandeln. Sicher auch meiner bis dahin herrschenden Unwissenheit geschuldet blieben mehr Fragezeichen als Erkenntnisse.

Martin Memmel vom dfki berichtete über „Metadaten im Web“. Das war sozusagen der Forschungsansatz der Frage, wie die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine verbessert werden kann, wo doch beide Seiten Metadaten in unterschiedlicher Qualität erzeugen.

„Gänsehaut“ war das Thema von Stephan Baumann, der das Phänomen am Beispiel sehr persönlicher Musik nachvollziehbar machte. Obwohl er die Formel für die Gänsehaut sogar mathematisch hergeleitet hat, hatte man am Ende den Eindruck, dass ihm beim Gedanken daran doch nicht so wohl war. Nutzt sich dieser Effekt nicht ab? Wie intim ist eine Preisgabe aller meiner Musikgeheimnisse, die ich auf der Suche nach dem nächsten Gänsehaut-Kick benötige?

Die „monochrom Abendgestaltung“ von Johannes Grenzfurtner muss man nicht gut gefunden haben, kann man aber. Mir wurde er immer sympathischer – eine gelungene Abwechslung im Programm.

„Blogger Jeopardy“ ist leider ein wenig verreckt, obwohl die Mühe der Vorbereitung zweifellos sichtbar war. Schade, aber unten im großen Lounge-Bereich warteten schon die „Toten Crackhuren im Kofferraum“ darauf, alle anwesenden mit Techno-Punk vollzudröhnen.

Alles in allem war der zweite Tag für mich der beste. Die Party von Aka-Aki war ein schöner Abschluss.

Tag 3
Erst um 14 Uhr startete für mich mit „Plagiarismus 2.0“ Tag 3, einer Unmutsbekundung mehrerer Uni-Dozenten, die sich zwar alle über das Problem einig waren, aber auch keine wirkliche Lösung wussten, außer sozialer Ächtung der der Kopie überführten Studenten. Hier hätte ich mir seitens der Moderation mehr Struktur und auch mögliche Wege aus dem Dilemma gewünscht.

„Reputation als Motivation in Open-Source Projekten“ war dann die nächste Session. Rainer Rapp hat sehr sachlich eine Befragung von Debian-Entwicklern präsentiert. Ich hätte mir einen größeren inhaltlichen Rahmen gewünscht. Auch im Hinblick auf die oben erwähnte Debatte um Bezahlung für Blogs.

Twitter hype

Die Republica war wohl Deutschlands größtes Twitter-Event bisher. Auch ich konnte mich dem nicht entziehen. Irgendwie hatte man zeitweise doch das Gefühl, das ein oder andere zu verpassen. 🙂 Am Ende bleibt jedoch die Erkenntnis, dass zwischen vielem Rauschen nur wenig wichtiges dabei war. Leute, die nicht auf der Republica waren, müssen schier verrückt geworden sein, wenn sie versucht haben, der Timeline zu folgen. Da wären „Kanäle“, die man betreten und verlassen kann, wie wir sie schon aus dem IRC kennen, sicher eine gute Idee. Die Anzahl der Follower hat sich gefühlt täglich verdoppelt und zeitweise habe ich sogar vom Gezwitscher geträumt. 🙂

Die kritische Masse

Was mich latent nervte war die Tendenz, „die großen“ zu bashen. Es schien irgendwie schick zu sein, aber vor allem war es einfach, mal gegen StudiVZ und myspace zu schießen. Es mag ja gute Gründe geben, Kritik zu üben, aber der schnelle Lacher auf dem Podium nutzte sich ebenso schnell ab. Gleichzeitig versuchen dieselben Leute, ihre eigenen Ideen/Blogs/Projekte groß zu machen. So what?

SMS Wall

Auch wenn sie vorher kritisiert wurde, fand ich sie sehr gelungen. Wer wirklich was zu sagen hatte, konnte auch die paar Cent (wenn überhaupt) für eine SMS ausgeben. Alle Selbstdarsteller konnten ihren Twitternamen und -bild einbinden und allzu viel „Spam“ von außen war auch nicht dabei. Klasse!

Splitter
  • Club-Mate ist überbewertet.
  • Wörter der #rp08: „Relevanz“, „Bohème“, „Rauschen“, „A-Blogger“
  • „Wir machen nur Affiliate Werbung, damit da was blinkt.“ Peter Hogenkamp.
  • „Nur weil du bei myspace bist, ist das noch lange keine Party“. Tote Crackhuren im Kofferraum.
  • Ich war immer noch nicht im St. Oberholz.

Bis zum nächsten Jahr! Und bis dahin: #wirnennenesleben

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Ein Gedanke zu „re:publica 08

  1. Pingback: re:publica - Shift happens ‘09 « Ronald Krentz - rokr²

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